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Beats Biblionetz - Texte

Blinde Flecken und präskriptive Un-schuld

Zur Morphologie medienpädagogischer Urteilsformen
Rainer Leschke
Zu finden in: Spannungsfelder und blinde Flecken (Seite 86 bis 99), 2017 local web 
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iconZusammenfassungen

Die implizite Normativität des eigenen Vorgehens gehört bekanntlich zu den am besten bewahrten Geheimnissen der meisten kulturwissenschaftlichen Projekte. Im allgemeinen kulturwissenschaftlichen Feld mag das noch angehen und als lässliche Schwäche kodiert werden, im Bildungsbereich hingegen ist das geradezu fatal, werden doch Biographien mit Zielvisionen beschwert, deren sie sich – wenn überhaupt – nur noch schwer wieder entledigen können. Diese impliziten Leitmodelle von Medienbildung präformieren daher nicht nur Bildungsprogramme und strapazieren damit kollektive Ressourcen, sie statten Biographien mit kulturellen Leitplanken und Reiseprogrammen aus, die eigentlich durch nichts, wenigstens nicht durch Reflexion gedeckt sind. Am normativen Grund der Medienbildung herrscht mithin ein systematisches Reflexionsdefizit und dass dieses jetzt angegangen werden soll, ist sicherlich nicht zufällig, denn zumindest eines dürfte gegenwärtig Konsens sein: die zunehmende Erschlaffung der normativen Kraft und Verbindlichkeit von für mehr oder minder ewig erachteten Vorstellungen von Subjektivität, Wissen und Bildung. Der zunehmende Verlust der Legitimität und Anerkennung dieser impliziten Normativität setzt Medienpädagogik unter einen enormen Rechtfertigungsstress. Sie erzeugt so jene Spannung, die medienpädagogische Bemühungen verortet zwischen einem kaltschnäuzig blinden ‹Weiter so!›, das die Scheuklappen nur umso entschlossener ins Gesicht zieht, und einer zaghaften Orientierungslosigkeit, die sich an jeden vorbeiziehenden Strohhalm klammert, wenn sie in jeglichem neuen medientechnologischen Feature zugleich ein neues Menschenmodell heraufziehen sieht. Dabei wird das Menschenbild – im Übrigen ein Bild, und damit eine mediale Kategorie – entweder bewahrpädagogisch konserviert – und insofern verfügt die Medienpädagogik in normativer Hinsicht über einen bewahrpädagogischen Kern, wiewohl sie gerade gegen bewahrpädagogische Vorstellungen angetreten war – oder aber outgesourct und damit an die medientechnologische Findigkeit der Medienindustrie abgegeben. Beide Reaktionsmuster scheinen gleichermassen hilflos zu sein und daher dringend der Reflexion zu bedürfen, zumal es sich um eine Existenzfrage der Medienbildung handelt, die systematisch nicht ohne normativen Hintergrund auskommen und daher nicht in metatheoretische Gefilde entfliehen kann.
Von Rainer Leschke in der Zeitschrift Spannungsfelder und blinde Flecken (2017) im Text Blinde Flecken und präskriptive Un-schuld

iconDieser wissenschaftliche Zeitschriftenartikel erwähnt ...


Personen
KB IB clear
Bertold Brecht, Noam Chomsky, Hans Magnus Enzensberger, Harald Gapski, Jürgen Habermas, Hans-Dieter Kübler

Begriffe
KB IB clear
Kulturwissenschaft, Medienbildung, Medienpädagogik, Morphologie, Subjektivitätsubjectivity, Wissenschaftscience
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Bücher
Jahr  Umschlag Titel Abrufe IBOBKBLB
1969Aspekte der Syntax-Theorie (Noam Chomsky) 30200
1981Theorie des kommunikativen Handelns (Jürgen Habermas) 6, 5, 10, 11, 17, 9, 11, 10, 9, 5, 3, 84518362
1996Medienkompetenz3, 14, 9, 12, 11, 6, 6, 3, 11, 10, 3, 113227111935
1999  Kursbuch Medienkultur Personenreihenfolge alphabetisch und evtl. nicht korrekt (Lorenz Engell, Claus Pias, Joseph Vogl) 14, 16, 24, 23, 16, 17, 15, 8, 13, 5, 4, 960140911451
2002Medienkompetenz (Harald Gapski) 14, 20, 22, 22, 13, 23, 23, 12, 10, 11, 10, 121661126636
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Texte
Jahr  Umschlag Titel Abrufe IBOBKBLB
1996 local Kompetenz der Kompetenz der Kompetenz (Hans-Dieter Kübler) 14, 21, 20, 23, 17, 11, 15, 8, 11, 2, 4, 8141981905
1999Der Rundfunk als Kommunikationsapparat (Bertold Brecht) 10000
1999Baukasten zu einer Theorie der Medien (Hans Magnus Enzensberger) 8200

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