/ en / Traditional / mobile

Beats Biblionetz - Begriffe

Leitmedienwechsel

iconBiblioMap Dies ist der Versuch, gewisse Zusammenhänge im Biblionetz graphisch darzustellen. Könnte noch besser werden, aber immerhin ein Anfang!

Diese Grafik fensterfüllend anzeigen als Pixelgrafik (PNG) Vektorgrafik (SVG)

iconDefinitionen

Dirk BaeckerWir haben es mit nichts Geringerem zu tun als mit der Vermutung, dass die Einführung des Computers für die Gesellschaft ebenso dramatische Folgen hat wie zuvor nur die Einführung der Sprache, der Schrift und des Buchdrucks. Die Einführung der Sprache konstituierte die Stammesgesellschaft, die Einführung der Schrift die antike Hochkultur, die Einführung des Buchdrucks die moderne Gesellschaft und die Einführung des Computers die nächste Gesellschaft. Jedes neue Verbreitungsmedium konfrontiert die Gesellschaft mit neuen und überschüssigen Möglichkeiten der Kommunikation, für deren selektive Handhabung die bisherige Struktur und Kultur der Gesellschaft nicht ausreichen. Jede Einführung eines neuen Verbreitungsmediums muss daher zur Umstellung dieser Struktur und dieser Kultur fuhren, soll sie auf breiter Front überhaupt möglich sein. Andernfalls wird das neue Medium auf eine periphere Verwendungsform beschränkt.
Von Dirk Baecker im Buch Studien zur nächsten Gesellschaft (2007) im Text Vorwort auf Seite 7

iconBemerkungen

Der Leitmedienwechsel erfordert und ermöglicht ein neues Verständnis sowohl von dem, was zu lernen, als auch gleichzeitig von dem, wie es zu lernen ist.
Von Lisa Rosa im Buch Bildungskanon heute (2012) im Text Ein Bildungskanon für die glokale Welt?
Dirk BaeckerProbleme der Digitalisierung entstehen daraus, dass elektronische Medien der Gesellschaft an der Schnittstelle von Mensch und Maschine einen Überschusssinn bereitstellen, auf dessen Bearbeitung bisherige Formen der Gesellschaft strukturell und kulturell nicht vorbereitet sind.
Von Dirk Baecker im Text Wie verändert die Digitalisierung unser Denken und unseren Umgang mit der Welt? (2016)
Jürg KohlasEs ist wie beim Übertritt von der Agrar- zur Industriegesellschaft, als Begriffe wie Energie und Materie wichtig wurden: Da führte man Physik, Chemie und Biologie an den Gymnasien ein. Heute sind es Begriffe wie Information und Algorithmus, die bestimmend sind, und darum muss die Informatik ins Gymnasium.
Von Jürg Kohlas im Text «Wir könnten viel Geld sparen» (2013)
Der kognitive Veränderungsdruck, den das Internet-Zeitalter auf die Menschheit ausübt, ist gewaltig und wird am Ende nur vergleichbar sein mit einer ganzen Kaskade einstürzender Weltbilder, gerade so, als erschienen in kurzen Abständen gleichzeitig Gutenberg plus Marx plus Darwin auf der Bildfläche. Es ist also nicht falsch, sich jetzt schon warm anzuziehen.
Von Frank Schirrmacher im Buch Payback (2009)

«Postfaktisch» war das Wort des Jahres 2016. Aber gab es Propaganda nicht schon immer?
Das Phänomen ist alt, ja, hat mit dem Aufstieg des Mediums Internet aber neue Intensität angenommen. Wir hatten eine ähnliche Phase im Jahrhundert nach der Verbreitung des Buchdrucks, da war mindestens so viel Desinformation wie Information im Umlauf. Denken Sie an die Flugblätter der Reformation und Gegenreformation, da wurde auch erfunden und verzerrt. Jede Medienrevolution bringt eine Periode der Anarchie und des Experimentierens. Heute haben gewisse Kräfte grossen Spielraum, aber die Wogen werden sich wieder glätten.
Von Lorraine Daston, David Hesse im Text «Bauchgefühl ist nicht Wahrheit» (2017)
What is more likely is that just as the printing press in the fourteenth century and photography in the nineteenth century had a revolutionary impact on the development of modern society and culture, today we are in the middle of a new media revolution -- the shift of all of our culture to computer-mediated forms of production, distribution and communication. This new revolution is arguably more profound than the previous ones and we are just beginning to sense its initial effects. Indeed, the introduction of printing press affected only one stage of cultural communication -- the distribution of media. In the case of photography, its introduction affected only one type of cultural communication -- still images. In contrast, computer media revolution affects all stages of communication, including acquisition, manipulating, storage and distribution; it also affects all types of media -- text, still images, moving images, sound, and spatial constructions.
Von Lev Manovich im Buch The Language of New Media (2001) im Text What is New Media?
Dirk Baecker4.0. Das Buch handelt von der vierten Medienepoche der Menschheitsgeschichte, der Epoche der elektronischen und digitalen Medien. Drei frühere Epochen gingen ihr voraus, 1 .0, die Epoche der Mündlichkeit, 2.0, der Schriftlichkeit, und 3.0., des Buchdrucks. Vor der Digitalisierung erlebte die menschliche Gesellschaft die Abenteuer der Oralisierung, Alphabetisierung und Literarisierung, allesamt nicht minder überfordernd. Nichts Geringeres als eine tiefgreifende Veränderung von Struktur und Kultur der Gesellschaft, viermal in Foige, vermochte diese Herausforderungen zu bewältigen. Die Epochen lösen einander nicht nahtlos ab, sondern überlagern und durchmischen sich vielfältig. Die Null hinter der Versionsziffer deutet an, dass die These für jede dieser Medienepochen weiter differenziert werden kann und muss. Die These selbst ist alles andere als entschieden, so sehr es sich kulturwissenschaftlich bewährt hat, mit ihr zu arbeiten. Historiker, die zu Recht auf Differenzierung bestehen, kann man nur um Verständnis bitten.
Von Dirk Baecker im Buch 4.0 oder Die Lücke die der Rechner lässt (2018) im Text Vorwort auf Seite 10
Dirk BaeckerWir müssen unsere Theorie der Gesellschaft auf ein neues Verständnis von Medien umstellen, um zu begreifen, was mit uns geschieht. Medien sind Kulturtechniken. Sie vermitteln Kommunikation und Handlung. Das ist ihr einfachster Begriff.
  1. Im Medium der Sprache können Gedanken, die im Bewusstsein verschlossen sind, anderen zugänglich gemacht werden.
  2. Im Medium der Schrift können nicht nur Abwesende erreicht werden, sondern es kann ein Zeiten übergreifendes Gedächtnis aufgebaut werden, das die Gegenwart unter den Druck setzt, sich gegenüber Ursprung und Herkunft zu rechtfertigen.
  3. Im Medium des Buchdrucks beginnt ein massenhaftes und nicht mehr durch die Autorität der Kirche kontrolliertes Lesen und Schreiben, das alle Verhältnisse «kritisch» auf den Kopf stellt und nur mühsam durch «Vernunft» und «Aufklärung» kanalisiert werden kann.
  4. Im Medium der Elektronik werden Rechenprozesse, Speicherkapazitäten und Netzwerke aufgebaut, die von menschlichen Aktivitäten und anderen Sensoren gefüttert werden und eine Welt errechnen, die unser Verständnis überfordert.
Von Dirk Baecker im Text Die vielfache Vertreibung aus dem Paradies (2016)

iconVerwandte Objeke

icon
Verwandte Begriffe
(Cozitation)
Buchdruckprinting press, Buchkultur / typographische Gesellschaft, Automatisierung, Smartwatchsmartwatch, Digitalisierung
icon
Verwandte Aussagen
Digitalisierung führt zu einem Leitmedienwechsel
Buchdruck führte zu einem Leitmedienwechsel
Schrift führte zu einem Leitmedienwechsel
Sprache führte zu einem Leitmedienwechsel
Leitmedienwechsel beeinflusst Gesellschaft
Leitmedienwechsel beeinflusst Wirtschaft
Leitmedienwechsel beeinflusst Schule

CoautorInnenlandkarte

Aufgrund der Grösse ist diese Grafik nur im SVG-Format verfügbar. Dieses Format wird vom verwendeteten Browser (vermutlich IE) aber nicht unterstützt.
Diese Grafik fensterfüllend anzeigen (SVG)

iconRelevante Personen

iconHäufig erwähnende Personen

iconHäufig co-zitierte Personen

iconStatistisches Begriffsnetz Dies ist eine graphische Darstellung derjenigen Begriffe, die häufig gleichzeitig mit dem Hauptbegriff erwähnt werden (Cozitation).

iconBlahfasel-Generator (Beta)

Leitmedienwechsel und Smartwatch: ein Spannungsfeld?
Kaum ein Tag vergeht, ohne dass in den Medien das Thema "Leitmedienwechsel" diskutiert wird. Eine fundierte Dokumentation drängt sich auf.
Erstmals wurde das Thema im Jahr 2001 erwähnt. Eine lange Zeit, in der viel geschehen ist. Oft wird Beat Döbeli Honegger zum Spannungsfeld Leitmedienwechsel zitiert. Dirk Baecker wird aber ebenfalls oft genannt.
Ein Blick auf die zahlreichen Definitionen des Begriffs ist sinnvoll. Die prägendste Definition des Begriffs von Dirk Baecker von 2007 lautet: "Wir haben es mit nichts Geringerem zu tun als mit der Vermutung, dass die Einführung des Computers für die Gesellschaft ebenso dramatische Folgen hat wie zuvor nur die Einführung der Sprache, der Schrift und des Buchdrucks. Die Einführung der Sprache konstituierte die Stammesgesellschaft, die Einführung der Schrift die antike Hochkultur, die Einführung des Buchdrucks die moderne Gesellschaft und die Einführung des Computers die nächste Gesellschaft. Jedes neue Verbreitungsmedium konfrontiert die Gesellschaft mit neuen und überschüssigen Möglichkeiten der Kommunikation, für deren selektive Handhabung die bisherige Struktur und Kultur der Gesellschaft nicht ausreichen. Jede Einführung eines neuen Verbreitungsmediums muss daher zur Umstellung dieser Struktur und dieser Kultur fuhren, soll sie auf breiter Front überhaupt möglich sein. Andernfalls wird das neue Medium auf eine periphere Verwendungsform beschränkt."...

icon59 Vorträge von Beat mit Bezug

icon7 Einträge in Beats Blog

iconZitationsgraph

Diese Grafik fensterfüllend anzeigen als Pixelgrafik (PNG) Vektorgrafik (SVG)

icon59 Erwähnungen Dies ist eine nach Erscheinungsjahr geordnete Liste aller im Biblionetz vorhandenen Werke, die das ausgewählte Thema behandeln.

iconAnderswo suchen Auch im Biblionetz finden Sie nicht alles. Aus diesem Grund bietet das Biblionetz bereits ausgefüllte Suchformulare für verschiedene Suchdienste an. Biblionetztreffer werden dabei ausgeschlossen.

iconBiblionetz-History Dies ist eine graphische Darstellung, wann wie viele Verweise von und zu diesem Objekt ins Biblionetz eingetragen wurden und wie oft die Seite abgerufen wurde.